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Arensch

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Ortsschild Arensch

Arensch ist ein Ortsteil der Stadt Cuxhaven. Der Ort gehört seit dem 1. Februar 1971 als Teil des Stadtteils Berensch-Arensch zur Stadt Cuxhaven. Frühere Namensformen sind Arnstete, Arenstede oder Arnsch. Zuvor war es mit der Gemeinde Berensch als gemeinsamer Ort eines der 5 Heidedörfer des Amtes Ritzebüttel, später des Landkreises Hadeln.

Geografie

Arensch liegt im Südwesten der Stadt Cuxhaven, direkt am Deichvorland zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Nördlich des Ortes erstreckt sich der Wernerwald, westlich schließen sich die Salzwiesen und das Watt an. Durch den Ort fließt der Arenscher Bach, ein knapp fünf Kilometer langer Kanal, der von rechts in die Weser mündet. Die Landschaft wird geprägt von Wäldern, Heide, Feldern und Salzwiesen.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit

Arensch gehörte ursprünglich zum Land Hadeln. Die örtlichen Herren waren die Mitglieder der Familie Lappe, die auf den Burgen von Sahlenburg und Ritzebüttel saßen. Nach 1282 verpfändeten die Lappes ihre Lehnsrechte in Arensch, Berensch, Gudendorf, Holte und Oxstedt – den sogenannten fünf Heidedörfern – an das Kloster Wolde (später Neuenwalde), behielten jedoch die Oberherrschaft.

Im Jahr 1372 verpfändeten die Lappes das Gebiet an die Stadt Hamburg, die die Heidedörfer 1394 endgültig in ihre territoriale Exklave, das Amt Ritzebüttel, einverleibte. Nach 1571 zog Hamburg die Lehnsrechte faktisch an sich und die Bauern der Heidedörfer mussten dem Hamburger Senat den Treueid leisten. Damit begann eine über 500 Jahre währende Zugehörigkeit zu Hamburg.

Während der napoleonischen Kriege wurde Arensch 1810/1811 vorübergehend von Frankreich annektiert. 1813 wurde die Landherrenschaft Ritzebüttel an Hamburg zurückgegeben.

19. und 20. Jahrhundert

Bis 1864 gehörte die Gemeinde Berensch-Arensch dem hamburgischen Amt Ritzebüttel an, danach der Landherrenschaft Ritzebüttel. 1926 ging die Gemeinde in der Landherrenschaft Hamburg auf. Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz vom 1. April 1937 wurde Berensch-Arensch an den Landkreis Land Hadeln in der preußischen Provinz Hannover abgetreten. Seit 1946 gehört der Ort zum Land Niedersachsen.

Nachkriegszeit und Eingemeindung

Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen im gesamten Kreisgebiet, das auch Arensch umfasste, die ersten Wellen von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten ein. Wie in vielen ländlichen Regionen Niedersachsens wurden auch hier Vertriebene auf Bauernhöfen und in den Dörfern untergebracht. Konkrete Angaben zur Ansiedlung vertriebener Landwirte in Arensch selbst liegen nicht vor, doch die demografischen Veränderungen der Nachkriegszeit betrafen auch die Heidedörfer.

Am 1. Februar 1971 wurde Arensch als Ortsteil Berensch-Arensch in die Stadt Cuxhaven eingemeindet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Bauhof Arensch und Landgewinnung

Der Bauhof Arensch ist ein Werkhof des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), früher des Niedersächsischen Hafenamtes Cuxhaven. Er wurde zu Beginn der 1900er Jahre errichtet, als die Landgewinnungsarbeiten im Deichvorland begannen.

Vom Bauhof aus wurde die Landgewinnung zwischen Spieka und Duhnen betrieben. Die dazu benötigten Materialien wurden anfangs mit der Feldbahn Sahlenburg-Arensch transportiert. Eine Besonderheit war der Einsatz von Strafgefangenen bei den Landgewinnungsarbeiten: In den Jahren 1949 bis 1977 arbeiteten etwa 50 bis 60 Gefangene jährlich mit, die aus der Strafanstalt Fallingbostel (bis zu deren Auflösung 1952) oder aus Hannover kamen und von März bis September in Arensch untergebracht waren. Der Bauhof diente damit auch als Außenstelle einer Justizvollzugsanstalt.

Heute werden die Anwachsflächen zwischen Spieka und Duhnen gesichert und unterhalten. Aktive Landgewinnung findet nicht mehr statt. Die Anwachsflächen umfassen rund 400 Hektar.

Feldbahn und Küstenschutzbahn

Zur Landgewinnung und zum Küstenschutz wurde seit den 1930er Jahren eine 600-Millimeter-Feldbahn genutzt. Die größte Ausdehnung des Streckennetzes lag bei etwa zehn Kilometern. Mittelpunkt war der Bauhof Arensch mit Lokschuppen, Werkstätten und Abstellgleisen.

Die Strecke verlief vom Bauhof aus nach Spieka und zum Duhner Anwachs, parallel zur Straße Am Sahlenburger Strand und durch das Deichvorland. Eine erste Feldbahnstrecke entlang der Sommerdeiche wurde bereits 1912 gebaut. Die Strecke von Duhnen über Sahlenburg bis zum Bauhof Arensch war vier Kilometer lang und wurde bis 2002 abgetragen. Das rund sechs Kilometer lange Gleis vom Bauhof nach Spieka wurde später ebenfalls zurückgebaut.

Seit 1996 ist das Staatliche Amt für Wasser und Abfall (heute NLWKN) für den Bauhof zuständig. Die Feldbahn wird heute nur noch bei temporären Küstenschutzarbeiten mit "fliegenden" Gleisen eingesetzt.

Geplanter Tiefwasserhafen Scharhörn

In den 1950er und 1960er Jahren plante Hamburg den Bau eines großen Tiefwasserhafens auf der Scharhörnplate im Wattenmeer vor Cuxhaven (Projektname "Europort"). Für die Realisierung benötigte Hamburg das zu Niedersachsen gehörige Wattenmeer mit den Inseln Neuwerk und Scharhörn.

Am 5. Oktober 1962 wurde der sogenannte Cuxhaven-Vertrag zwischen Hamburg und Niedersachsen ratifiziert. Es war vorgesehen, den Hafen über einen breiten Damm durch das Watt beim Arenscher Bauhof an das Festland anzuschließen – am sogenannten "Punkt X", wo der hamburgische Sektorenkeil des Wattenmeeres auf einer Breite von 200 Metern endet.

Von dort waren zwei Trassenvarianten geplant: Eine Richtung Süden vor Arensch und Berensch sowie eine zweite Richtung Osten durch die Arenscher und Holter Heide nach Cuxhaven. Die geplante Trasse sollte für zweigleisige Eisenbahnführung und Kraftfahrzeugverkehr ausgelegt werden, mit einer geschätzten Nutzlast von 30 Millionen Tonnen pro Jahr.

Niedersachsen hatte sich vertraglich verpflichtet, Hamburg die gewünschten Trassen und Anschlüsse zu ermöglichen. 1979 gab Hamburg die Pläne jedoch aus ökologischen Gründen auf, und Anfang 1980 wurde auch die Einreichung des Planfeststellungsverfahrens fallengelassen. 1990 errichtete der Hamburger Senat den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und schloss damit die Kette der geschützten Gebiete an der Nordseeküste.

Raketenversuche

In der Nähe von Arensch wurden zwischen 1945 und 1964 diverse Raketenversuche durchgeführt:

Operation Backfire (Oktober 1945): A4-Raketen starteten von einer im Wernerwald zwischen Arensch und Sahlenburg errichteten Startstelle. Die Briten wählten den Standort auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Marineartillerie-Schießplatzes Altenwalde, da die unmittelbare Nähe zur Nordsee gute Beobachtungsmöglichkeiten für die Flüge entlang der Küste bot. Die Startstelle mit betonierter Grundfläche, Beobachtungsbunkern und Barackenlagern wurde eigens für die Operation errichtet. Nach den Versuchen rissen die Briten die Anlagen weitestgehend wieder ab. Heute zeugen noch eine Bodenmulde (an der Stelle der entfernten Betonplattform) und einige Bunkerreste von der Startstelle.

Hermann-Oberth-Gesellschaft (1957–1964): Startete in der Nähe des Bauhofs und im Wattenvorland zahlreiche Raketen (siehe auch Postrakete) mit Gipfelhöhen von bis zu 50 Kilometern. Berthold Seliger Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH: Führte weitere Raketenversuche durch, bei denen Gipfelhöhen von über 100 Kilometern erreicht wurden.

Munition im Watt

Das Wattgebiet vor Cuxhaven, insbesondere das Sahlenburger Watt vor Arensch, gehört zu den Schwerpunkten von Munitionsfunden an der niedersächsischen Nordsee. Ursprünglich ging man davon aus, dass die Munition vom Altenwalder Schießstand stammte. Später vermutete man eine Versenkung mithilfe von Kuttern, da die Fundstellen überwiegend an den Wattkanten zu den Prielen hin lagen.

Im Sahlenburger Watt wird seit 1970 Munition geräumt. Zwischen 1971 und 1974 wurden 9.035 Granaten und weitere Munition (insgesamt 9.553 Stück und 1.050 kg Munitionsteile) geborgen. In den Jahren 1975 bis 1990 wurden etwa 35.800 Granaten (insgesamt 43.655 Stück und 29.450 kg) geräumt. Die Fa. Tauber war bis in die 1980er Jahre bei der Munitionssuche im Watt aktiv.

Natur und Landschaft

Arensch liegt am Übergang von der Geest zum Wattenmeer. Die vorgelagerten Salzwiesen bilden einen breiten Gürtel zwischen den Wattflächen und der Geest. Sie gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und sind von besonderer ökologischer Bedeutung.

Die Küstenheide in Arensch ist ein seltener Lebensraum, der auf regelmäßige Pflege angewiesen ist. Charakteristisch sind Besenheide (Calluna vulgaris) und Krähenbeere. Großflächige Calluna-Heiden kommen an der Küste nur noch selten vor und gelten als echte Besonderheit. Die Nationalparkverwaltung führt regelmäßig Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zum Erhalt der Heide durch, darunter die Entfernung gebietsfremder Gehölze und begleitende Kampfmittelsondierungen.

Wernerwald

Nördlich von Arensch erstreckt sich der Wernerwald, der 1880 angelegt wurde und mit 315 Hektar Fläche der einzige Wald an der Nordseeküste im direkten Übergang zum Wattenmeer ist. Er ist benannt nach dem Hamburger Amtsverwalter Charles Anthony Werner.