Jüdische Gemeinde

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Die Entstehung der Gemeinde

Juden gelangten nachweislich erstmals 1750 in das Amt Ritzebüttel, als durchziehende Händler (dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts dort schon Juden dauerhaft angesiedelt waren, lässt sich nicht belegen). Wenn sie nicht im Besitz eines so genannten Schutzbriefes waren, durften sie allerdings nur eine Nacht lang dort bleiben. Der erste belegte Besitzer eines solchen war der Hausierer Isaac, der ihm 1750 ausgestellt wurde. Nach wenigen Jahren gelangte sein Sohn David Isaac nach Ritzebüttel, und heiratete dann die Tochter von David Joseph, ein aus Otterndorf stammender jüdischer Kaufmann. Nach den Aufzeichnungen des Pastors Justus vom 7. Februar 1753 waren sie alle die ersten Juden, die in Ritzebüttel lebten. Die zweite jüdische Familie wurde dann von dem aus Koblenz stammenden Nathan Abraham gegründet.

Von den zwischen 1750 und 1850 zugewanderten Juden entstammte ein Drittel den angrenzenden Ländern, ein weiteres Drittel aus Süddeutschland und das letzte aus den östlich gelegenen polnischen, böhmischen und preußischen Gebieten.

Jeder von ihnen musste 10 Taler Schutzgeld jährlich bezahlen, um weiterhin das Handels- und Aufenthaltsrecht genießen zu können. Dafür wurde dann der Schutzbrief ausgestellt. 1757 zogen dann noch einmal drei weitere jüdische Familien hierher.

Die kleine Gemeinde besaß nun ein eigenes Armenwesen, eigene Schlachtereien, einen eigenen Lehrer und später auch einen eigenen jüdischen Friedhof. Sie lebten hauptsächlich in der heutigen Nordersteinstraße und Westerreihe. Konflikte löste die Gemeinde selbst, außer bei Auseinandersetzungen mit nichtjüdischen Familien.

Eigenes Land sowie Häuser konnten sie wegen der von Hamburg ausgehenden Gesetzgebung nicht erwerben. 1787 gelang es jedoch Joseph Levin, trotz dieses Verbotes ein Haus in der Nordersteinstraße zu kaufen, in dem dann ein Betsaal und das rituelle Reinigungsbad eingeführt wurde. 1820 begrenzte die Amtmannschaft Abendroths die Anzahl der jüdischen Familien auf 16, was etwa 100 Personen entsprach. Die versuchte er dann in die Landwirtschaft und ins Handwerk zu integrieren, weil wegen einer Verfügung aus dem Jahre 1819 nur jeweils ein Sohn im Handwerk bleiben durfte.

1816 mussten alle Juden Familiennamen annehmen, um Namensverwechselungen zu vermeiden. 1849 bildeten die Juden einen Anteil von 3 % an der Bevölkerung Ritzebüttels, und zu diesem Zeitpunkt wurden sie mit allen anderen Bürgern gleichgestellt. So konnten sie jetzt das Recht auf freie Niederlassung in Anspruch nehmen, ihren Beruf frei wählen und nichtjüdische Partner ehelichen. So konnte 1864 der Jude Dr. Samuel Samuelson zum ersten Amtsverwalter von Ritzebüttel gewählt werden, da sich die Situation ja erheblich verbessert hatte. Und 1870 verlieh Senator Dr. Gustav Kirchenpauer dem Cuxhavener Rabbiner Hirsch Moses Kaliske eine der höchsten Auszeichnungen, die der hamburgische Staat zu vergeben hatte.


Die Zerstörung der Gemeinde

Am 1. Januar 1933, im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, lebten noch 43 Juden in Cuxhaven. Viele verließen die Stadt, weil es seelisch nicht mehr auszuhalten war, in kleineren Städten zu leben. Fünf Jahre später, genauer gesagt am 15.11.1938, verkündete das Cuxhavener Tageblatt: Unser Kampf gegen das Judentum aber geht weiter, bis das Judentum in Deutschland völlig ausgemerzt ist. Mittlerweile lebten nur noch 13 Juden hier, und die fünf jüdischen Geschäfte, die es gegeben hatte, waren nicht mehr existent. Einzelne Gegenstände aus dem Inventar wurden an emigrierende Gemeindemitglieder verkauft oder verschenkt, der Rest ist wie das Archiv der Gemeinde spurlos verschwunden. 1939 beschlagnahmte die Stadt das Haus in der Nordersteinstraße, für gerade mal 2000 Reichsmark. Der neue Besitzer baute die Synagoge zu einer Autogarage um und vermietete sie später als Werkstatt. Diese anscheinend völlig selbstverständliche Zweckentfremdung einer Synagoge beweist, wie gleichgültig und achtlos man der damals der jüdischen Kultur gegenüber trat (heute ist das Haus ein Wohnhaus geworden, in dem wahrscheinlich nur noch das Fundament erkennbar ist nach den vielen Umbauten). 1941 verließ der letzte Jude Cuxhaven, Hermann Blumenthal. Dies könnte man als das Ende der „Israelitischen Gemeinde Cuxhaven“ bezeichnen, da es ein offizielles Datum nicht gibt. Von 1942-45 gab es nachweislich keine Juden mehr in Cuxhaven.

Bis heute ist es noch nicht gelungen, die Schicksale aller ehemaligen jüdischen Mitbürger lückenlos aufzuklären. Von denjenigen, über die etwas bekannt ist, weiß man, dass sie entweder deportiert wurden (von zehn überlebten zwei), eines natürlichen Todes starben oder wie eine Frau unter mysteriösen Umständen in Berlin gestorben sind.