Galgenberg

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Der Galgenberg am Karl-Waller-Weg 2007
Hinweis am Fuße des Hügels

Zu den eindrucksvollsten archäologischen Fundplätzen in Cuxhaven zählt zweifelsohne der Galgenberg bei Sahlenburg mit seiner wechselvollen 2000-jährigen Geschichte als Bestattungs- und Wehrplatz. Durch mehrjährige Ausgrabungen in der 1. Hälfte unseres Jahrhunderts konnten vor allem Gräber aus der Zeit des 5. Jhs. v. Chr. bis zum späten Mittelalter aufgedeckt werden.

Seinen Namen erhielt der Berg von einer Richtstätte, die man erst im 17. Jh. hier errichtete und die bis in das 19. Jh. hinein bestand.

Im Mai 1920 wird der Galgenberg mit Bäumen bepflanzt und 1921 in die Denkmalliste eingetragen.

Geographie

Man erreicht den Galgenberg, wenn man am Brockeswald vorbei über die Sahlenburger Chaussee nach Sahlenburg fährt und hinter dem Ortseingang rechts in den Karl-Waller-Weg einbiegt. Nach ca. 300 m erstreckt sich zur linken Hand das Galgenberggelände mit den Resten des Grabhügels und dem großen umschließenden Wall.

Hier stand einstmals ein größeres Grabhügelfeld, von dem nur noch wenige Reste erhalten geblieben sind (Hügel A-B). Im näheren und weiteren Umfeld des Galgenberges erstrecken sich zahlreiche Friedhöfe der Vorrömischen Eisenzeit (5. – 1. Jh. v. Chr.), der römischen Kaiser- und Völkerwanderungszeit (1. – 5. Jh. n. Chr.) sowie des Mittelalters (7. – 8. Jh. n. Chr.). Der ursprüngliche Grabhügel Galgenberg wurde im Mittelalter zu einer “ Turmburg ” ausgebaut, indem man ihn erhöhte und mit einem mächtigen Wall und Trockengraben umgab. Allen Anschein nach stand auf dem Galgenberg eine Art “ Holzturm ” .

Geschichte der Begräbnisstätte

Wie beim Galgenberg selbst ist auch bei den anderen Grabhügeln wenig über ihr Alter bekannt. Gemeinsam ist allen, daß sie im Kern Steinsetzungen erhielten, die in der älteren Bronzezeit (um 1500 v. Chr.) üblich waren. Eine 1906 durchgeführte Grabung am Galgenberg erbrachte zudem auch einige Funde aus dieser Zeit. Die vorgefundenen Steinsetzungen dienten vielfach als Stützkonstruktion für niedergelegte Baumsargbestattungen. Wenig später änderte sich die Bestattungssitte: Die Verstorbenen wurden verbrannt und die Asche in Urnen beigesetzt. Solche Urnenbestattungen fanden sich im Mantel des Galgenberges, besonders zahlreich jedoch im weiteren Umfeld. Mit dem Ende der älteren Bronzezeit (um 1200 v. Chr.) scheint der Galgenberg vorläufig nicht weiter als Bestattungsplatz genutzt worden zu sein. Was während der jüngeren Bronzezeit (12 – 7. Jh. v. Chr.) hier geschah, wissen wir nicht. Möglicherweise war die frühere Bevölkerung abgewandert und hatte ihre Siedlungen aufgegeben. Da jedoch der Galgenberg selbst wie auch das umliegende Gelände nur in Teilen ausgegraben worden ist, kann nicht ausgeschlossen werden, daß sich Grabanlagen der jüngeren Bronzezeit in den noch nicht untersuchten Bereichen befinden. Erst später, während der Vorrömischen Eisenzeit, ging die einheimische Bevölkerung wieder dazu über, das Galgenbergsgelände als Begräbnisstätte zu nutzen. So konnten beispielsweise in den Suchschnitten der Grabung 1906, die im Südosten des Galgenberges und in der Nähe von Hügel A und B angelegt wurden, insgesamt 57 Urnengräber des 5. – 1. Jh. v. Chr. nachgewiesen werden. Hier wird deutlich, daß in den noch nicht untersuchten Bereichen mit weiteren Gräbern zu rechnen ist. Auch während der Römischen Kaiserzeit (1. – 4. Jh. n. Chr.) bleibt die Urnenbestattung die vorherrschende Grabform. Aus der näheren Umgebung des Galgenberges sind zwei solcher Gräberfelder bekannt. Eines befand sich im östlichen Vorfeld und wurde bei dem Abbau einer Sandgrube entdeckt. Hier kamen neben Urnen des 3. – 5. Jhs. insgesamt 8 Brandbestattungen der älteren römischen Kaiserzeit (1. – 2. Jh. v. Chr.) zum Vorschein. Die zweite Begräbnisstätte mit 15 Brandgräbern der älteren römischen Kaiserzeit lag etwa 200 m südwestlich des Galgenberges in der Umgebung des heute nicht mehr sichtbaren bronzezeitlichen Grabhügels Silberberg. Die Bestattungen der älteren Kaiserzeit sind möglicherweise den Chauken zuzuweisen, einem germanischen Stamm, dessen Siedlungsgebiet nach Auskunft römischer Schriftsteller an der Nordseeküste zwischen Elbe und Ems gelegen haben soll. Mehr als 120 Urnen der jüngeren Kaiser- und Völkerwanderungszeit (3. – 5. Jh. n. Chr.) konnten beim Galgenberg geborgen werden. Die meisten wurden in den Jahren 1933 bis 1937 von Karl Waller ausgegraben. Jedoch fanden bereits gegen Ende des vorigen Jahrhunderts mehrere “ Raubgrabungen ” statt. Dabei wurden zahlreiche Urnen planlos ausgegraben und an das Hamburger Museum für Völkerkunde verkauft.

Bedeutsam für die Galgenberguntersuchungen ist zudem die Freilegung von 34 Körpergräbern des 4. und 5. nachchristlichen Jahrhunderts. Urnenbestattungen und die Beisetzung des unverbrannten Leichnams, also Körperbestattungen sind etwa zwei Jahrhunderte lang nebeneinander auf demselben Friedhofsareal erfolgt. Die Körpergräber waren mit einer Ausnahme alle Süd-Nord ausgerichtet, d. h. der Kopf befand sich am Südende der Grube. Die Beigaben in den Körpergräbern waren gewöhnlich zahlreicher, und da sie nicht mit dem Feuer in Berührung kamen, besser erhalten, als jene in den Urnengräbern. Mit ihrer Hilfe konnten Männer- und Frauengräber unterschieden werden.

Zu der Totenausstattung der Frau gehörten verschieden gestaltete Gewandspangen, Perlenketten und Ringe. Den Männern wurden manchmal auch ihre Waffen (Schwert, Axt oder Lanze) mit ins Grab gelegt. Häufiger fanden sich auch Gürtelbeschläge. Eine besondere Grabausstattung fand sich im Grab 32. Dieses enthielt eine bronzene Kerbschnittgarnitur, bestehend aus einer zweiteiligen Gürtelplatte, zwei dazugehörigen Beschlagplatten, einem Riemendurchzug, einer Riemenzunge und mehreren Gürtelösen. Diese Kerbschnittgarnitur, wahrscheinlich ein Erzeugnis einer spätantiken nordgallischen Werkstatt, ist in das späte 4. Jh. zu datieren. Es handelt sich um einen sogenannten “Millitärgürtel”, deren einstiger Träger vielleicht als Söldner im römischen Militärdienst gestanden haben wird. Nach Abschluß seiner Dienstzeit wird er in seine Heimat nach Sahlenburg zurückgekehrt sein.

Die letzten Bestattungen am Galgenberg stammen aus dem 7. und 8. Jh.. Körpergräberfelder dieser Zeit konnten im Nordwesten des Galgenberges und um den Silberberg herum in Teilen erfaßt werden. Die 12 Gräber vom Gelände um den Silberberg sind alle Süd-Nord ausgerichtet. Eine Besonderheit der Befunde vom Silberberg stellt die große Anzahl Pferdegräber dar. Mindestens vier der Bestattungen erweisen sich als Beisetzungen von Pferden, die ohne Beigaben oder Zaumzeug in die Grabgrube gelegt wurden. Auf dem wesentlich größeren nordwestlich gelegenen Friedhof am Galgenberg wurden ebenfalls zwei Pferdegräber aufgedeckt. Eines der Pferde lag dabei zusammen mit dem menschlichen Leichnam in dem selben Grab. Wurde hier ein Reiter mit seinem Pferd beigesetzt? Anlaß zu einer solchen Vermutung gibt ein erst 1955 geborgenes, reich ausgestattetes Reitergrab, dessen genaue Lage im Gelände nicht mehr feststellbar ist. Bei dem Toten fand man zwei Steigbügel und die Reste vom Pferdezaumzeug, außerdem befand sich am linken Fuß noch ein Sporn. Auf der Brust des Toten lag ein zweischneidiges Schwert (Sparta), darüber eine Flügellanze. Vom Schild blieb nur der eiserne Buckel erhalten. Bemerkenswert ist die Auffindung eines Pferdegrabes in nur 5 m Entfernung zu dem Grabfund von 1955. Es liegt nahe, hier einen Zusammenhang zwischen Reiter- und Pferdebestattung zu sehen. Das dem Galgenberg vorgelagerte Gräberfeld bietet noch eine weitere Besonderheit. Es lassen sich recht gut eine westliche und eine östliche Gräbergruppe unterscheiden. Die Bestattungen der westlichen Gruppe sind Süd-Nord ausgerichtet und weisen gewöhnlich einige Beigaben wie Messer, Gürtelschnallen oder auch Perlen auf. Die Ausstattung ist aber, ähnlich dem Gräberfeld beim Silberberg, spärlicher als in den Gräbern des 4. – 5. Jh.. Die West-Ost-gerichteten Gräber sind dagegen bis auf eine Ausnahme immer beigabenlos.

Bedeutende Ausgräber sind:

Der Galgenberg als Richtstätte

Am 30. Oktober 1695 wird die Richtstätte von der Amtmannsweide im Außendeich (heute etwa am Wasserturm) auf den Galgenberg verlegt.

  • 1710 Hinrichtung eines Dienstmädchens, das seine in Osterende-Groden wohnende frühere Herrin am 1. Weihnachtstag 1709 ermordet hatte
  • 1712, 28. Oktober Enthauptung des Ehepaares Brütt aus Groden-Abschnede, weil es einen in ihrem Hause übernachtenden Leinwandhändler ermordet hatte
  • 1772, 30. März Enthauptung von Anna Margaretha Carstens aus Bremerlehe, weil sie Ihre Brotfrau Rebecka Eherenberg aus Ritzebüttel ermordet hat. Der Kopf wird auf einen Pfahl gesteckt, der Körper auf´s Rad gepflochten.
  • 1817, 28. April Enthauptung zweier Mitgleider einer Diebesbande. Die Köpfe werden auf Pfähle gesteckt.
  • 1819, 15. Februar Entflohenes Mitglied der gleichen Bande wird hingerichtet. (Letzte Hinrichtung.)

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